Turbulenzen beim Stalinismus-Opferverband VOS

Neue Zeitung Oldenburg, 24.03.2013

Bei der Vereinigung der Opfer des Stalinismus (VOS) dreht sich offenbar das Personalkarussell. Die frühere Bürgerrechtlerin Vera Lengsfeld soll in dieser Woche vom Bundesvorstand des Vereins als Landesvorsitzende wieder eingesetzt worden sein. Das berichten übereinstimmend mehrere Vereinsmitglieder. Die VOS-Geschäftsstelle war für eine Stellungnahme bis zum Redaktionsschluss dieser Ausgabe nicht zu erreichen. Zuvor war Frieder Weiße, der nach Stasi-Vorwürfen das Amt als Landesvorsitzender verlassen hatte, in eine Wahl involviert, die von Mitgliedern als nicht satzungsgemäß kritisiert wurde. Auf diesem Weg, der als dubios bezeichnet wurde, gelangte Weißes Vertraute Petra Ostrowski an die Spitze des Landesvorstandes. Sie gilt bei vielen aufgrund ihrer Qualifikation als Fehlbesetzung. Zudem machte das Wort von der Patronage die Runde, bis die Vereinsoberen jetzt offenbar die Notbremse zogen. Vermutlich soll damit wenigstens ein Kritikpunkt entschärft werden.

Staatsanwaltschaft ermittelt gegen VOS-Vorstand

Denn die Geschäftsführung des Vereins steht unter massivem Beschuss mehrerer Seiten. Inzwischen ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft gegen den Bundesvorsitzenden der Vereinigung der Opfer des Stalinismus, Hugo Diederich und den gesamten Vorstand. Sie alle stehen im Verdacht, Geld veruntreut und sich dadurch nach §266a StGB strafbar gemacht zu haben. Das Verfahren wird bei der Berliner Anklagebehörde unter dem Aktenzeichen 242 Js 2415/11 geführt. Nach deren Auskunft ist noch unklar, ob und wenn ja wann es zu einer Anklage kommen könnte. Der VOS-Vorstand äußerte sich zu den Vorwürfen nicht. Diederich, der im ZDF-Fernsehrat sitzt und dort ausgerechnet im Ausschuss für Finanzen die Geschäfte der öffentlich-rechtlichen Fernsehanstalt überwachen soll, kam Rücktrittsforderungen nicht nach. Nach Bekanntwerden der Ermittlungen distanzierte sich ZDF-Fernsehratschef Ruprecht Polenz (CDU) im Handelsblatt-Interview indirekt von Diederich. Hier wurde der Bock zum Gärtner gemacht, hieß es von Mitgliedern des Stalinismus-Opfervereins.

VOS-Protestaktion abgesagt

Die Turbulenzen in der Vorstandsetage des VOS beeinträchtigen offenbar inzwischen die Vereinsarbeit erheblich. Die Homepage des Vereins ist seit rund zwei Monaten verwaist. Die in der VOS-Zeitung “Freiheitsglocke” (Februar 2013) für den 23. März angekündigte Protestaktion vor der Behörde des Bundesbeauftragten für Stasi-Unterlagen wurde kurzfristig abgesagt. An dem Protest sollten laut Vereinszeitschrift auch andere Verbände und Initiativen teilnehmen. Vermutlich haben sich einige aufgrund der Turbulenzen vom VOS-Vorstand inzwischen abgewandt. Die geplante Protestaktion der Vereine sollte sich gegen die Beschäftigung früherer Stasi-Spitzel in der Bundesbehörde des Unterlagenbeauftragten richten. Ob und wenn ja wann die Aktion nachgeholt wird, blieb bis zum Redaktionsschluss unklar.

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