Ronald Lässig im Interview zu DDR-Medikamententests

Westdeutsche Pharmaunternehmen sollen bis zum Mauerfall 1989 neue Medikamente an Krankenhauspatienten in der DDR getestet haben – und zwar ohne deren Wissen. Wie das Nachrichtenmagazin “Der Spiegel” berichtete, haben Konzerne wie Bayer und Novartis rund 600 medizinische Studien in mehr als 50 Kliniken in der DDR in Auftrag gegeben. Das war den Arzneimittelherstellern bis zu 800.000 Westmark pro Studie wert.

Entschädigung für die Opfer

Ronald Lässig will Missverständnisse nicht als Entschuldigung akzeptierten. Der Vorsitzende des DDR-Opferhilfe-Vereins ist überzeugt davon, dass in Ostdeutschland mit voller Absicht Menschenversuche durchgeführt worden sind. “Das war im Grunde eine Erniedrigung für den Menschen, dass Leute, die sich hilfesuchend an Ärzte wandten, derart missbraucht wurden”, sagt er gegenüber der Deutschen Welle über die medizinischen Studien.

Lässig fordert eine unabhängige Untersuchungskommission, die ermitteln soll, was damals genau passiert sei. Außerdem verlange er, dass Geschädigte und Hinterbliebene Entschädigungszahlungen erhalten sollen. Schließlich hätten die beteiligten Pharmakonzerne, aber auch die ostdeutschen Kliniken, erhebliche Profite durch die Tests erwirtschaftet. “Das zeigt die Notlage, in der sich die DDR wirtschaftlich befand”, sagt Lässig. “Offensichtlich war kein Mittel zu schlecht, um an Westgeld zu kommen.”

Langwierige Aufklärung

Das sieht auch Dagmar Hovestädt so, die Pressesprecherin der Behörde des Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes (Stasi). “Der Job der Stasi war es, diese neue Deviseneinnahmequelle, die der Staat sich überlegt hatte, sprudeln zu lassen”, sagt Hovestädt. Um den Aufklärungsprozess zu unterstützen, wird ihre Behörde die Unterlagen zur Verfügung stellen, die die Stasi zur Überwachung der Studien angelegt hatte.

Deutsche Welle, 15.05.2013

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